Trockene Haut (Xerosis cutis) im Winter

Unsere Haut - das größte Organ unseres Körpers wird stark durch Temperaturveränderungen beeinflusst. Wir alle kennen das Problem: Die Temperaturen sinken und unsere Haut leidet unter den eisigen Temperaturen. Diese Veränderung ist sichtbar und meist zu allem Überfluss auch spürbar. Studien zeigen, dass sich bestimmte Einflussfaktoren im Übergang von Sommer zu Winter ändern und dadurch trockene Haut begünstigen. Warum ist das so und was können wir dagegen unternehmen?

Veränderungen der Haut:

Die natürliche Barrierefunktion gesunder Haut schützt uns vor äußeren Einflüssen und speichert ca. 10-20% Wasser. Eine Störung der Hautbarriere liegt sowohl bei zu wenig, als auch bei zu viel Wasser vor. Trockene Haut entsteht durch Feuchtigkeits- und Fettverlust der Haut. Die Prävalenz, an einer Xerosis cutis zu leiden, nimmt mit zunehmendem Lebensalter zu. 

Umwelteinflüsse

Trockene Haut wird insbesondere durch geringe Luftfeuchtigkeit begünstigt. Gerade die Heizungsluft im Winter ist ein klassischer Einflussfaktor. Doch auch Kälte trocknet die Haut aus, da diese einen direkten Einfluss auf unsere Hautdurchblutung ausübt. Nicht nur die Jahreszeit muss zwingend ein äußerer Einfluss sein, auch häufiges Händewaschen mit alkalischen Seifen sowie heißes Duschen/Baden können zu einer Hautreizung und somit zu trockener Haut führen.

Merkmale

Typisch Merkmale für trockene Haut sind Rötungen, Juckreiz, Risse und/oder Schuppen. Diese Symptome können in unterschiedliche Schweregrade, keine, leicht, mäßig, schwer, sehr schwer, eingeteilt werden . Häufig betroffene Bereiche am Körper sind jene mit wenigen Talgdrüsen wie zum Beispiel Unterschenkel, Unterarme, Hände und Füße.

Wichtig

Sollte die Symptomatik schwer sein und somit die Lebensqualität drastisch beeinflussen, ist ein Arztbesuch unvermeidlich.

 

Aufbau der Hautbarriere:

Unsere Hautbarriere besteht aus einem Hydrolipidfilm, einer interzellulären Lipidschicht, Corneozyten und Kreatinozyten.

Hydrolipidfilm

Dieser ist der Säureschutzmantel unserer Haut. Gebildet wird er durch unsere Schweiß- und Talgdrüsen. Er hat einen pH-Wert von 4,0-6,5 und ist somit sauer, wie der Name „Säureschutzmantel“ bereits verrät. 

Interzelluläre Lipidschicht

Sie schützt den Körper vor Fremdkörpern und unkontrolliertem Wasserverlust.

Keratinozyten

Keratin wirkt wasserabweisend und verleiht der Haut Schutz und Stabilität. Es ist auch der wichtigste Bestandteil der Hautanhangsgebilde (Haare, Nägel). Diese Zellen sind multipotent und nehmen in Ihrem Lebenszyklus verschiedene Reifegrade an (z.B. Korneozyten). 

Korneozyten

Die Korneozyten sind die abgestorbenen Keratinozyten. Die Menge an Korneozyten hängt vom Lebensalter, der Jahreszeit und dem Wassergehalt der Haut ab.

 

Behandlung:

Die Behandlung von trockener Haut ist ausschlaggebend um die Sensibilität gegenüber Umwelteinflüssen wie Allergenen, Erregern und Reizstoffen, zu mindern. Besonders bei älteren Menschen ist es wichtig die Abwehr der Haut zu stärken, da Sie meist anfälliger gegen Krankheitserreger sind. 

Hautreinigung

Weniger ist manchmal mehr. Daher sollten bei der Hautreinigung heiße Duschen, lange Bäder und Schaumbäder vermieden werden. Am Besten eignen sich nicht alkalische Waschlotionen und rückfettende Duschöle.

Kleidung

Auch bei der Kleidung kann man darauf achten, Reibung zu vermeiden und die Haut nicht zusätzlich zu reizen. Materialien wie Wolle sollten nicht direkt auf der Haut getragen werden. 

Ernährung

Im Winter sind Zitrusfrüchte beliebt. Obwohl das darin enthaltene Vitamin C gut für die Haut ist, können Zitrusfrüchte auch Hautreizungen begünstigen. Daher gilt es Orangen, Mandarinen und Co. in Maßen zu verzehren. Auch sehr heißes, stark gewürztes Essen und Alkohol können die Haut reizen.

Klima

Wie anfangs erwähnt, begünstigt Heizungsluft Hautirritierungen. Hier können Raumbefeuchter oder Zimmerbrunnen Abhilfe schaffen. 

 

Pflegetipp Urea:

Nach dem Duschen, Händewaschen bzw. Desinfizieren lohnt es sich die Haut, einzucremen. Als effektivste Pflege hat sich Urea bewiesen. Auch wenn der lateinische Begriff für Harnstoff steht, wird dieser mittlerweile nicht mehr aus Urin gewonnen, sondern synthetisch hergestellt. Um die perfekte Wirkung in Cremes zu erzielen, wird Urea meist mit anderen natürlichen Feuchthaltekomponenten kombiniert.

 

 

Quelle:

Positionspapier: Diagnostik und Therapie der Xerosis cutis

Matthias Augustin, Dagmar Wilsmann-Theis, Andreas Körber,

Martina Kerscher, Götz Itschert, Michaela Dippel, Petra Staubach

 

Buch 2. Auflage: Beratungsproblem Haut Diagnostik, Therapie und Pflege im Praxisalltag 

 Josef Smolle; Frank H. Mader

+43 512 20 65 67