Was passiert bei einer IVOM?
„Intravitreal“ bedeutet wörtlich „in den Glaskörper hinein“ – also in das gelartige, transparente Gewebe, das das Auge ausfüllt. Bei einer IVOM wird ein Medikament mit einer hauchdünnen Nadel direkt in diesen Glaskörperraum injiziert. Das injizierte Volumen ist dabei winzig: oft gerade einmal 0,05 ml, also etwa ein Tropfen.
Warum dieser scheinbar drastische Weg? Die Antwort liegt in einer biologischen Hürde namens Blut-Retina-Schranke. Diese Barriere schützt die Netzhaut zuverlässig vor schädlichen Substanzen – blockiert aber ebenso die meisten Wirkstoffe. Von oral eingenommenen Medikamenten erreichen lediglich 1 bis 2 % den Glaskörper. Augentropfen wiederum dringen kaum bis zur Netzhaut im hinteren Augenabschnitt vor. Die intravitreale Injektion umgeht diese Schranken vollständig und bringt den Wirkstoff in hoher Konzentration direkt ans Ziel.
Welche Erkrankungen werden behandelt?
Die häufigste Indikation ist die feuchte altersbedingte Makuladegeneration (feuchte AMD, auch nAMD). In Deutschland leiden rund 4,5 – 7,5 Millionen Menschen an AMD, davon etwa 500.000 an einer aggressiven Spätform. Ohne Behandlung führt sie rasch zu schwerem Sehverlust. Mit IVOM-Therapie wird bei rund 75-90 % der Patienten mit nAMD weiterer Sehverlust verlangsamt oder gestoppt, bei 30 bis 50 % verbessert sich die Sehschärfe sogar wieder.
Eine weitere häufige Indikation ist das diabetische Makulaödem: Chronisch erhöhter Blutzucker schädigt die kleinen Netzhautgefäße, was zu Flüssigkeitsansammlungen in der Makula führt und das Sehen trübt. Hinzu kommt der retinale Venenverschluss, der sogenannte „Schlaganfall im Auge“. Vor der modernen IVOM-Ära gab es für diese Erkrankung nur selten wirksame Therapie. Heute erreichen Betroffene durch die Injektionen im Mittel einen messbaren Sehgewinn.
Wie läuft die Behandlung ab?
Die IVOM ist ein kurzer, ambulanter Eingriff unter sterilen Bedingungen. Der eigentliche Injektionsvorgang dauert nur wenige Sekunden; die gesamte Prozedur inklusive Vorbereitung etwa 5 bis 15 Minuten. Das Auge wird zuvor mit betäubenden Tropfen schmerzfrei gemacht – die meisten Patienten spüren lediglich ein leichtes Druckgefühl.
Da die Wirkung der Medikamente zeitlich begrenzt ist, sind wiederholte Injektionen notwendig. Bei chronischen Erkrankungen wie der feuchten AMD handelt es sich um eine echte Langzeittherapie – im Mittel etwa 53 Injektionen über zehn Jahre. Die Therapie folgt dabei einem individuellen Schema: Entweder nach dem Treat-and-Extend-Prinzip (bei jedem Termin wird behandelt und kontrolliert, das Intervall schrittweise verlängert, solange die Erkrankung inaktiv bleibt) oder dem PRN-Schema (pro re nata, „nach Bedarf“: monatliche Kontrollen, Injektion nur bei nachgewiesener Aktivität).
Ein medizinischer Meilenstein
Um zu verstehen, wie bedeutsam die IVOM ist, lohnt ein Blick zurück. Vor ihrer Einführung war die feuchte AMD für rund 50 % aller Erblindungen in Industrieländern verantwortlich. Die damals verfügbaren Behandlungen konnten den Sehverlust bestenfalls verlangsamen, aber nicht stoppen. Heute hat die IVOM-Therapie die Erblindungswahrscheinlichkeit durch feuchte AMD um rund 70 % gesenkt. Für Millionen von Patienten weltweit bedeutet das konkret: Sehen statt Erblinden.
Auch wir stellen bereits seit vielen Jahren Zubehör für IVOMs her. In dieser Zeit haben wir umfangreiche Erfahrung in der Herstellung und Qualitätssicherung intravitrealer Zubereitungen aufgebaut. Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot haben, sprechen Sie uns gerne an.